Joleena. Fashion Blog from Hamburg.: Digitale Realität oder die Zigarette von morgen?

Tuesday, January 14, 2014

Digitale Realität oder die Zigarette von morgen?

Meist sind es die nachdenklichen Texte, die bei euch Anklang finden. Weil sie anregen. Nachdenken. Machen wir viel zu selten, und manchmal zu oft. Aber in Zeiten wie diesen, wenn wir unsere Facebooktimeline durchscrollen, was wir an manchen Tagen viel zu oft tun, werden wir vollgeklatscht mit 1000 Blogeinträgen, 1000 Zeitschriften, die über irgendwelche Promis ablästern, 1000 Informationen von Freunden, die auf der letzten Party Selfies gemacht haben. (Natürlich hängt es davon ab, welche Seiten man gelikt hat und wieviele und welche Freunde man letzlich zugelassen hat. Aber darum geht es gerade nicht.) Nun zur nächsten Social Media-Plattform, und ja, es gibt kaum eine auf der ich nicht unterwegs bin. Ich liebe das ja auch. Aber genau da stelle ich mir die Frage, wohin das eigentlich führt. Ich habe kaum Zeit nachzudenken, weil ich doch gerade noch schauen muss, was auf Instagram abgeht. Weil ich doch gerade auf Twitter erwähnt wurde. Weil ich doch gerade bei Whatsapp mit meinen besten Freundinnen über Männergeschichten diskutiere. Oh, und das Selfie heute morgen, weil ich meinen Lidstrich mal hinbekommen habe. Meine Eltern können mir nicht sagen, wohin das führt. Sie kennen das nicht. Das große Internet und die Ehrlichkeit und Präsenz meiner Person. Das Experiment. Keiner von uns weiß, wohin das führt. Ob wir in ein paar Jahren unsere Blogs löschen, weil wir uns schämen? Weil es in Mode kommt sich wieder rar und unnahbar zu machen?



Da sitze ich nun mit meinen Freunden am Tisch und einer von vier Menschen beschwert sich über die Smartphonedichte. (Meistens jener, der sein Handy selbst oft genug benutzt.) Wir diskutieren fast jede Party darüber, was in Ordnung ist und was zuviel. Und der Typ, der mich anschrieb, der mich davon überzeugte, ihn zu daten: Er war in Realität ganz anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Und was denkt ihr eigentlich über mich, wenn ihr mich kennenlernt? Warum sage ich, schreiben ist doof, lass uns persönlich drüber reden, während wir uns grad PMs schicken?

Umdenken. Nun kann man sich nicht mehr auf das verlassen, was Eltern früher gelernt haben. Die alte Schule und ihre Erfahrung. Heute lernt man sich über Datingseiten und Chats kennen und selten über die Begegnung an der Bar. Meine Mama sagte: "Ach Mensch, ihr habt es so einfach. Selbst der schüchternste Mensch traut sich das niedliche Mädchen anzuschreiben. Er ist ja ganz woanders und kann sich mit seiner Antwort so lange Zeit lassen, bis ihm was passendes einfällt." Jupp, genau richtig. Das weiß aber auch das niedliche Mädchen. Hoffe ich. Und dann dieser unangenehme Moment. Wir treffen uns jetzt. Und dann weiß ich vielleicht schon nach zwei Minuten, dass ich diesen Menschen gar nicht mag und kann aber nicht so schnell weg. Hätten wir uns an der Bar getroffen könnte ich sagen: "Mein Freund wartet da vorne, sorry."


Ich bin im Internet. Und ich teile mit euch mein Abendessen, meine Outfits, meine Moderationsversuche, meine Meinung, bald sogar meine Stimme. Ich stehe öffentlich zu Fehlern und Schwachstellen und Gefühlen und Gedanken. Ich gehöre nicht zu denen, die das Ganze von außen betrachten. Ich stecke mittendrin und probiere mich überall aus. Privatsphäre. Hm, was ist das eigentlich noch für ein Wort. 

Aber eines kann ich jetzt schon sagen. Die letzten Jahre im Internet habe ich nicht bereut. Kaum ein Foto. Kaum ein Text. Wenn es so ist, dass das Smartphone die Zigarette von morgen ist: Also der Teil auf Parties, der erst cool war, dann uncool und nun nach draußen verbannt wurde: Dann war ich große Vorreiterin der Schande. Weil ich dafür plädiere, dass man lernen muss mit diesem neuen Teil Geschichte umzugehen. Wovon ich spreche sind vielleicht Luxusprobleme. ABER. Wenn wir all das nicht austesten, wenn wir all das nicht ausreizen und die Grenzen finden, wie sollen wir unseren Kindern erklären, was richtig und was falsch ist?

OUTFIT 
Shoes - Nelly
Jacket - h&m
Hose - New Yorker
sequined shirt - Gina Tricot
Danke an Lina für die Bilder.

12 comments:

  1. Ein sehr schöner Text. Ich frage mich tatsächlich auch sehr oft, wohin dieses Web 2.0 uns führen soll. Qualitätsverfall, keine Kontrolle, jeder kann tun und lassen, was er möchte - Fluch und Segen zugleich, denke ich. Es macht Spaß, vieles im Netz zu teilen und umgekehrt in dem Privatleben anderer Leute zu schnuppern. Einfach schauen, wohin das Ganze führt - mir macht's auf jeden Fall auch jede Menge Spaß, so wie dir wohl genau so :)

    Lieben Gruß,
    Lotta von mein Lottaleben

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  2. wo das hinführt keine ahnung, das müssen wir rausfinden. wichtig ist es für mich nur dachen öffentlich zu teiken hinter denen ich wirklich stehe, denn das Internet vergisst nie!
    wo das bloggen hin führt frage ich mich auch. ist es bald "out"? war ich schon zu spät dran mit meinem blog den ich vor 2 jahren ins leben gerufen habe? ist der zug schon abgefahren und "neulinge" haben gar keinechance mehr fuß zu fassen? so fühle ich mich jedenfalls.
    ich bin gespannt wie es "endet"

    lg
    http://rockinglace.blogspot.de/

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  3. Joleena!!! ♥ Au weia, ich flipp hier gerade vollkommen aus. Die Bilder und das Outfit und du - so wunderwunderwunderschön! Ich liebe die Kombination und du siehst wirklich bezaubernd aus. Gaaaanz viel Liebe!!!

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  4. Das Outfit ist super schön!:)
    xx

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  5. SOSOSO gut, dass ich gar nichts hinzuzufügen habe. Toll! Und: ja!

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  6. toller Text! Sehr schön geschrieben und schön, dass du ein Thema das bei den verschiedenen Altersgruppen auf unterschiedlich viel Verständnis/Unverständnis trifft, ansprichst! :)
    Außerdem finde ich die Bilder sehr schön! Die Bildharmonie, die durch den blauen Hintergrund und das farblich schlicht gehaltene Outfit entsteht, finde ich wunderschön.
    Liebste Grüße, Luu

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  7. das mit dem zu oft nachdenken, trifft auf jeden fall auf mich zu! und mir hat letztens jemand gesagt: das ist ja mutig, was du da im internet machst.

    manchmal denke ich, dass ich mich viel zu heimisch auf meinem blog fühle und vergesse, dass es auch ein großes, schwarzes etwas ist, das ich gar nicht kenne.

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  8. Liebe Joleena,
    wir sind diese Digital Natives, von denen immer die Sprache ist. Nicht nur für deine Eltern, sondern auch für meine Eltern sind diese sozialen Netzwerke doch eher böhmische Dörfer. Auch wenn meine Mutter auf Facebook fast aktiver ist als ich, Whatsapp und Skype werden gerade erst erkundet.

    Ich bin wirklich gespannt wie sich das in den nächsten Jahren bzw Jahrzehnten entwickelt und was wir unseren Kindern wohl mit auf den Weg geben werden.

    Muss ich aber auch sagen, dass ich oftmals tierisch genervt bin wenn ich mit Freunden in Bars oder auf Partys unterwegs bin und alle nur an ihrem Smartphone hängen. Da wünsche ich mir das ein oder andere Mal, dass das Akku einfach leer oder der Empfang dermaßen schlecht ist.

    Alles Liebe für dich,
    Laura

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  9. dass das smartphone die neu zigerette ist hast du soo recht!

    http://style-wisdom.blogspot.de

    xsophie

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  10. Ich liebe deine Nachdenk-Texte. So, jetzt ist es raus.
    So ist das wohl als Digital Native. Wobei wir, also damit meine ich Menschen in unserem Alter, ja gar nicht damit aufgewachsen sind. Wir wissen ja noch, wie es ist, sich ohne Handy zu verabreden. Oder als man eine Nachricht in 160 Zeichen unterkriegen musste und nicht den halben Tag sinnlos hin- und herschreiben konnte. Oder man nur einmal in der Woche an Papas PC ins Internet durfte. Ich glaube, das macht es so schwierig. Ich ertappe mich so oft bei dem Gedanken, dass mir diese ganze Internet-Präsenz und das ständige Am-Smartphone-Hängen echt auf den Geist geht und dass doch früher alles besser war, weil man noch richtig miteinander geredet hat. Und im selben Moment denke ich, dass ich darauf wahrscheinlich gar nicht mehr verzichten könnte. Es ist so ein Zwiespalt. Ich bin geschockt, wenn ich 10-Jährige mit Iphone in der Hand sehe. Weil es das einfach nicht gab, als ich 10 war. Weil Kinder nun mal inzwischen damit aufwachsen. Natürlich sollte man gerade bei Minderjährigen einen kritischen Blick auf den Umgang mit Medien haben. Aber ich muss mir einfach immer klar machen: Das ist völlig normal, dass Kiddies Smartphones haben und damit im Internet surfen. Und das wird in Zukunft nicht anders sein. Und ich versuche, da irgendwie einen Mittelweg zu finden. Das richtige Maß an Medienkonsum und Internet-Präsenz. Um nicht zu vergessen, dass es eben auch eine Zeit vor die Internet gab und die Zeit auch gut war und mal auch ohne den Kram eigentlich echt prima zurechtkam.

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  11. super schöner Text! Total interessant :) <3

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  12. Was für ein wunderbarer Text.
    Ich vermisse dich.
    x

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